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2015 mit Albert Schweitzer

140. Geburtstag und 50. Todestag des Genies

Albert Schweitzer war ist und bleibt aktuell. Nach 2012 nun wieder ein Jubiläum. Drei Jahre ist es her, dass sich das Team der Zeitschrift "Frohe Botschaft" mit diesem Thema intensiv beschäftigt hat. Federführend Klaus Hugler, der in engem Kontakt mit der Schweitzer-Gedenkstätte in Weimar steht.

Hier nun ein noch einmal das Skript zu dem Artikel der Zeitschrift, das Klaus Hugler mir vor einigen Wochen zugeschickt hat.

Medienpartner ist die Prenzlauer Rundschau

 

 

Ehrfurcht vor dem Leben

Es ist erstaunlich, dass alle Biografen Albert Schweitzers den Leser etwas von der eigenen Faszination fĂĽr diesen ungewöhnlichen Praktiker des Geistes und der Moral mitteilen. Wenn man tiefer in die Lebenswelt dieses merkwĂĽrdigen Menschen eindringt und seine Kritiker hört, dann entsteht der Eindruck, das jene sich selbst diskreditieren oder lächerlich machen,  etwa wenn sie dem jungen Schweitzer Geldgier und Eitelkeit vorwerfen, oder wenn amerikanische Presseleute ihn als Kommunisten diffamieren, nur weil er in der Zeit des Kalten Krieges um des Friedens willen auch mit den Sowjets und DDR-Politikern redete.

 Wer war dieser Mensch? Und wie kommt es, dass er auch heute noch so viele unterschiedliche Menschen inspiriert, ob es sich dabei um den Liedermacher Gerhard Schöne handelt, Tierversuchsgegner oder junge Gymnasiasten?

 Albert Schweitzer wurde 1875 in einem deutschen Pfarrhaus im Elsass geboren. Schon frĂĽhzeitig sich seiner Privilegien den Dorfkindern gegenĂĽber bewusst. lehnte er es ab standesgemäß eingekleidet zu werden und wollte auch als Pfarrerssohn wie ein Bauernkind herumlaufen. Und als er in einer PrĂĽgelei den stärksten Bauernjungen besiegte, nur weil jener sich nicht wie Schweitzers Fleischsuppe essen konnte, verweigerte er stringent den Verzehr von Fleischsuppen. FrĂĽhzeitig bildete sich bei dem heranwachsenden das ethische Bewusstsein aus. Später sagte er von dieser Zeit: „Ich war nie ohne Sorgen.“ Trost fand er schon damals in der Musik. Er nahm Klavier- und Orgelunterricht und vertrat gelegentlich  den Organisten beim Sonntagsgottesdienst.

 Charakteristisch blieb es fĂĽr ihn, dass tiefen EindrĂĽcken EntschlĂĽsse folgten, denen er dann  Folge leistete. So traf er Pfingsten 1896. angesichts des Erwachens des FrĂĽhlings, die Entscheidung seines Lebens! „Bis ich dreiĂźig bin, will ich lernen, studieren und Orgelkonzerte geben. Danach will ich, wie Jesus, ein neues Leben beginnen. Armen und kranken Menschen will ich helfen. Vielleicht kann ich die Not in der Welt etwas kleiner machen.“, sagte er sich – und tat es. Er studierte Philosophie, und promovierte ĂĽber Immanuel Kant, und Theologie, und promovierte ĂĽber die Leben-Jesu-Forschung. Später sagte er im Blick auf diese Zeit und seine Generation: „Wir standen zwischen Nietzsche und Tolstoi“. Und Schweitzer nahm von dem einen den Sinn fĂĽr die Willenskraft und vom anderen die Idee vom religiösen Bewusstsein. So brachte er es zu akademischen Ehren und trat zugleich eine Karriere als Organist an. Als 29jähriger las er in einer französischen Missionszeitschrift ĂĽber die Not in Afrika. Dabei erreichte ihn der Ruf in den schwarzen Kontinent. 1905 begann er – diesem Ruf folgend – sein Medizinstudium. Mit Helene Breslau trat eine Frau in Schweitzers Leben, die in der Hingabe an NotbedĂĽrftige auch ihre eigene Berufung fand, und mit ihm 1913 nach Zentralafrika reiste, um gemeinsam in „ihrem“ Lambarene in den nächsten 50 Jahren Tausenden Menschen das Leben zu retten. Die Afrikaner hielten ihn anfangs fĂĽr einen Zauberer und nannten ihn deshalb Oganga. Bald wurden HĂĽtten gebaut und eine strenge Hausordnung durchgesetzt, um den Alltag in der Krankenstation zu regeln. Sonntagsgottesdienste, in denen Schweitzer predigte, gehörten ebenfalls dazu. Während des Ersten Weltkrieges lag Lambarene im Kriegsgebiet, die Schweitzers wurden als deutsche Kriegsgefangene interniert und nach Frankreich in ein Kriegsgefangenenlager gebracht, wo er ebenfalls bald als Arzt wirkte. Nach dem Kriegsende arbeitete er schriftstellerisch, zunächst an seiner Kulturphilosophie, dann ĂĽber ethische und religiöse Fragen. Bald hielt er Vorträge und gab Orgelkonzerte, mit denen er Geld fĂĽr Lambarene sammelte. 1924 war er so weit, dass er die Arbeit in Afrika wieder aufnehmen konnte. So folgten bis ins hohe Alter hinein ĂĽber zehn Schaffensperioden, die lediglich durch Vortragsreisen und die Konzerttourneen unterbrochen wurden, um die Arbeit im Hospital zu finanzieren. Nach dem schrecklichen Zweiten Weltkrieg traten zunehmen friedensethische Fragen in den Vordergrund seines öffentlichen Wirkens. 1951 erhielt er den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Das Geld verwendet er fĂĽr den Aufbau einer Leprastation in Lambarene. Lambarene und sein spiritueller Vater waren zu einem Begriff geworden. So nimmt es nicht wunder, dass er 1954 den Friedensnobelpreis erhielt. In der zweiten Hälfte der 50er Jahre tritt der Kampf gegen die Gefahren eines Atomkrieges in das Zentrum seiner BemĂĽhungen. 1960 wird die Republik Gabun ausgerufen. Lambarene wird ihr Aushängeschild und die erste Briefmarke der jungen afrikanischen Republik zeigt das Porträt Albert Schweitzers. Es wundert nicht, denn zeitweilig war Lambarene zu einem regelrechten Wallfahrtsort geworden.

Auch wenn es heute still um Lambarene geworden ist, so mehren sich doch gerade in unserer Zeit die Stimmen, die an diesen eigenartigen Urwalddoktor erinnern, und vielerorts tritt sein geistiges Erbe in den Mittelpunkt eines öffentlichen Interesses. Auch Schüler des im Brandenburgischen gelegen Ortes Werder/Havel haben sich im Rahmen mit der „Idee der Ehrfurcht vor dem Leben“ beschäftigt, und damit auch mit dessen Leben und Wirken. Dabei entdeckten sie eine Verwandtschaft von Schweitzers Bestrebungen mit denen von Carl von Ossietzky, Mahatma Gandhi und Martin Luther King. Drei Worte Albert Schweitzers nahmen sie sich persönlich zu Herzen, eines lautet: „Es gibt nicht nur ein Lambarene, jeder kann sein Lambarene haben.“

Klaus Hugler, Potsdam  

Geplante Veranstaltungen

  • 18. Januar 2015, 10 Uhr, Friedrichskirche Potsdam-Babelsberg, Weberplatz, Auftaktveranstaltung des Albert-Schweitzer-Freundeskreises Potsdam zum Schweitzer-Jahr 2015
  • Sommer 2015, Ausstellung, konzipiert von SchĂĽlern aus Werder, Potsdam und Kleinmachnow in der Stadt- und Landesbibliothek Potsdam
  • Teilnahme an der BUGA im Rahmen des GrĂĽnen Klassenzimmers

Albert-Schweitzer-Benefizkonzert mit JĂĽrgen Lindner